Warum gilt der Name „Oviraptor“ – „Eierdieb“ – heute als irreführend?
Als Oviraptor in den 1920er-Jahren in der Mongolei entdeckt wurde, lag sein Fossil unmittelbar bei einem Nest mit Dinosauriereiern. Die Forscher hielten diese damals für Eier von Protoceratops und interpretierten Oviraptor deshalb als einen Räuber, der das Nest plündern wollte. Daraus entstand der Name Oviraptor, sinngemäß „Eierdieb“. Spätere Entdeckungen änderten dieses Bild grundlegend. In Eiern desselben Typs wurden Embryonen von Oviraptoriden gefunden. Außerdem entdeckten Paläontologen erwachsene Oviraptoriden direkt auf ihren Nestern – mit ausgebreiteten Armen über den Eiern, ähnlich wie brütende Vögel. Ein besonders berühmter Fund zeigt einen Oviraptoriden über einem Nest mit mehr als 20 Eiern. Solche Fossilien liefern starke Belege dafür, dass Oviraptoriden ihre Eier bebrüteten und bewachten, statt lediglich fremde Nester auszurauben. Der Name Oviraptor blieb trotzdem bestehen – wissenschaftliche Namen werden normalerweise nicht einfach geändert, nur weil sich die ursprüngliche Interpretation eines Fossils später als wahrscheinlich falsch herausstellt.
Der Name „Eierdieb“ entstand aus einer frühen Fehlinterpretation. Fossilien und Embryonenfunde sprechen vielmehr dafür, dass Oviraptoriden ihre eigenen Nester bebrüteten und bewachten.


