Wo wurde der berühmte Daumendorn des Iguanodon in frühen Rekonstruktionen fälschlicherweise platziert?
Iguanodon gehörte zu den ersten Dinosauriern, die wissenschaftlich beschrieben wurden. Unter den frühen Fossilien befand sich ein großer, kegelförmiger Knochen, dessen genaue Position am Körper zunächst unbekannt war. Frühe Forscher interpretierten ihn als Nasenhorn und stellten Iguanodon deshalb teilweise ähnlich wie ein Nashorn dar. Erst nach dem spektakulären Fund zahlreicher, wesentlich vollständigerer Iguanodon-Skelette im belgischen Bernissart im Jahr 1878 wurde klar, dass dieser vermeintliche Hornknochen tatsächlich an die Hand gehörte: Iguanodon besaß an jeder Hand einen großen Daumendorn. Die genaue Funktion dieser Dornen ist nicht völlig sicher. Möglich sind der Einsatz zur Verteidigung gegen Raubtiere, Auseinandersetzungen mit Artgenossen oder auch die Manipulation von Pflanzen. Im Leben waren die knöchernen Spitzen außerdem vermutlich von Keratin überzogen und damit noch größer und schärfer als die erhaltenen Fossilien. Die berühmten Iguanodon-Statuen im Crystal Palace Park in London zeigen bis heute die historische Fehlinterpretation mit einem Horn auf der Nase und sind damit ein schönes Beispiel dafür, wie sich Dinosaurierrekonstruktionen durch neue Fossilfunde verändern können.
In frühen Rekonstruktionen saß der spätere Daumendorn des Iguanodon fälschlicherweise auf seiner Nase. Vollständigere Funde aus Bernissart zeigten, dass er zur Hand gehörte.


