Welches berühmte Merkmal des Elasmotherium ist bislang nicht direkt fossil erhalten?
Elasmotherium sibiricum, oft als „Sibirisches Einhorn“ bezeichnet, war ein riesiges ausgestorbenes Nashorn Eurasiens. Es konnte etwa 3,5 Tonnen wiegen und lebte in offenen, trockenen Steppenlandschaften. Überraschenderweise überlebte die Art nach modernen Radiokarbondatierungen bis mindestens vor etwa 39.000 Jahren. Berühmt ist Elasmotherium vor allem für Darstellungen mit einem enormen einzelnen Horn auf der Stirn. Doch ein solches Horn wurde niemals fossil gefunden. Das ist auch nicht sonderlich überraschend, denn Nashornhörner bestehen überwiegend aus Keratin und versteinern nur äußerst selten. Am Schädel befindet sich allerdings eine auffällige große knöcherne Erhebung. Diese wurde traditionell als Ansatzstelle für ein Horn interpretiert. Wie groß dieses Horn tatsächlich war – oder wie genau die Struktur äußerlich aussah – ist jedoch nicht sicher bekannt. Das Natural History Museum formuliert deshalb vorsichtig, dass Elasmotherium möglicherweise ein großes einzelnes Horn getragen habe. Auch die Bezeichnung „Sibirisches Einhorn“ sollte deshalb nicht zu wörtlich genommen werden: Das Tier selbst ist hervorragend fossil belegt, sein ikonisches Horn dagegen ist eine Rekonstruktion aufgrund der Schädelanatomie.
Das berühmte große Horn von Elasmotherium ist bislang nicht direkt fossil erhalten, sondern wird aus der Schädelanatomie erschlossen.


